Achtsam im Alltag

Du bist dort, wo deine Gedanken sind. Sieh zu, dass deine Gedanken dort sind, wo du sein möchtest .“ – Rabbi Nachman von Brazlaw

Achtsamkeit als Konzept ist verwurzelt im Buddhismus. Im Vergleich mit den anderen Weltreligionen ist der Buddhismus eher eine Sammlung von Lehren und Praktiken, um ein zufriedenes Leben zu führen. Im Buddhismus geht es darum zu erkennen, dass das Leben geprägt ist von Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit und dem Nicht-Selbst, welches besagt, dass alles in Abhängigkeit von etwas Anderem besteht und entsteht.

Laut der buddhistischen Lehre entsteht das menschliche Leid durch eine negative Geisteshaltung basierend auf den drei „Giften“ Gier, Abneigung und Ignoranz (auch Nicht-Wissen). Achtsam sein heißt, jeden Moment bewusst wahrzunehmen, ohne zu bewerten, denn „an sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.“ (Hamlet, 2. Akt). Wenn wir unsere eigene negative Geisteshaltung erkennen, können wir beginnen diese zu wandeln. Um diese Klarheit des Geistes zu erreichen, nimmt Meditation im Buddhismus eine zentrale Rolle ein. Achtsamkeit liegt der Meditation zu Grunde. Meditation funktioniert nicht ohne Achtsamkeit.

Aber: Umgekehrt funktioniert Achtsamkeit sehr gut ohne Meditation. Tatsächlich könnte man sagen, dass jede Handlung, der man sich mit Achtsamkeit widmet, zu einer Art Meditation wird.

Achtsamkeitsbasierte Bausteine finden sich inzwischen auch im klinischen Bereich, wie z.B. im Rahmen kognitiver Verhaltenstherapien. 1979 entwickelte der Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn ein Trainingsprogramm für chronische Erkrankungen. Dieses Programm ist bekannt als MBSR – Mindfulness Based Stress Reduction. Das wichtigste bei Achtsamkeit ist üben, üben, üben. Unser Gehirn ist nicht darauf programmiert zufrieden zu sein. Es ist eine Problemlösemaschine“, ständig auf der Suche nach Negativität und Gefahr, deren Gedankengänge – sich selbst überlassen – in eine Abwärtsspirale münden. Deshalb ist es wichtig, Achtsamkeit zu trainieren und die Gedankengänge bewusst aus der Abwärtsspirale wieder aufwärts zu führen. 

Ein Beispiel für Achtsamkeit im Alltag: Versuche, eine Mahlzeit am Tag ganz bewusst einzunehmen. Lass dich nicht ablenken, leg das Handy weg, schalte das Radio aus. Führe jeden Bissen langsam zum Mund und kaue achtsam. Was schmeckst du? Was riechst du? Lass den Moment strahlen, wie er ist. Ohne zu bewerten, ohne in Gedanken abzuschweifen. 

Sei genau da, wo du in dem Moment bist. 

 

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