Achtsamkeit & Meditation

An empty sort of mind is valuable for finding pearls and tails and things because it can see what’s in front of it. An overstuffed mind is unable to.“ – Benjamin Hoff

Wann warst du das letzte Mal tatsächlich da, wo du warst? 

Damit meine ich nicht nur körperlich anwesend, sondern auch geistig, mental. Denn letzteres ist in Zeiten von Ablenkungen durch Smartphones, Radio, Fernsehen oder andere Medien sehr schwierig geworden. Hinzu kommt, dass unser Gehirn ständig am Springen und leider allzu oft in der Vergangenheit gefangen ist oder sich bereits in der Zukunft befindet. Das bekannte Abschweifen der Gedanken und das Agieren auf Autopilot ist ein Grundzustand, an den wir uns in einer Gesellschaft von Reizüberflutungen gewöhnt haben.

Achtsamkeit ist ein Begriff, mit dem vermehrt in den letzten Jahren um sich geworfen wurde. Ich persönlich habe den Eindruck, dass Achtsamkeit oft mit einer wegwerfenden Handbewegung abgetan wird. Mehr als 10.000 Studien über achtsamkeitsbasierte Therapien belegen jedoch den tiefbringenden Nutzen regelmäßiger Achtsamkeitspraxis. Im Kern ist Achtsamkeit die bewusste Wahrnehmung von dem, was jetzt ist und zwar Augenblick für Augenblick. Durch diese Aufmerksamkeit für den Augenblick steigen wir aus dem stetigen Gedankenstrom in unserem Kopf und den Automatismen unseres unbewussten Handelns aus und werden stattdessen zum Beobachtenden vorbeiziehender Gedanken und Gefühle. Wir nehmen sie wahr, ohne sie zu bewerten oder daran festzuhängen. Der Wirbel in uns legt sich und schafft Raum für Klarheit und Ruhe.

Meditation ist angewandte Achtsamkeit. Es gibt viele verschiedene Arten der Meditation, die durch Filme und Bücher jedoch bekannteste Form ist die Sitzmeditation. Es ist keine geheimnisvolle Aktivität, sondern das bewusste Fokussieren auf den jetzigen Zustand von Körper und Geist. Am Anfang meiner eigenen Meditationspraxis nahm ich mir morgens drei Minuten Zeit, um meinen Geist zur Ruhe zu bringen. Ich setzte mich dafür aufrecht in den Schneidersitz und stellte mir eine weiße Wand vor, zu der ich gedanklich zurückkehrte, wenn ich merkte, dass mein Kopf abgedriftet war. Diese drei Minuten schienen ewig zu dauern. Inzwischen verweile ich manchmal bis zu 20 Minuten in meiner Sitzmeditation, ohne dass ich es merke. Nicht immer gelingt es mir, meine Gedanken ziehen zu lassen. In der Regel sprudelt mein Kopf los, als hätte er nur auf einen Startschuss gewartet. Doch geduldig und beharrlich bringe ich meine Aufmerksamkeit dann immer wieder zurück zum gegenwärtigen Moment, spüre meine Füße am Boden oder den Atem wie er durch die Nase ein und wieder ausströmt. Manchmal habe ich eine bestimmte Frage, die ich in diesen leeren Raum hineinstelle. Dann warte ich, ob ein Bild, ein Gefühl oder ein Gedanken dazu an die Oberfläche kommt. 

Und wenn ich die Augen öffne, bin ich auf gewisse Weise wacher als vorher.  

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