Zufrieden glücklich

„Glück ist nichts anderes als die Zufriedenheit mit dem eigenen Sein.“ – Giacomo Leopardi

Glückspilz, Glücksspiel, eine glückliche Fügung. In der Regel wird „Glück“ mit etwas Kurzfristigem in Verbindung gesetzt. Kein Wunder also, dass wir ständig auf der Suche nach dem Glück sind, denn in einem Moment ist es da – und dann wieder nicht. 

Der Psychologieprofessor Philipp Mayring hat sich an der Universität Klagenfurt eingehender mit den verschiedenen Zuständen des Wohlbefindens beschäftigt: Freude, Glück und Zufriedenheit. Während Freude und Glück tatsächlich eher kurzfristige  Gefühlszustände beschreiben, die mit emotionalen Hochs einhergehen, ist Zufriedenheit eine eher stabile, ruhige Gefühlslage. Der Unterschied ist, dass Zufriedenheit, im Gegensatz zu Freude und Glück, nicht situationsabhängig ist, sondern in der grundlegenden Einstellung eines Menschen zum Leben wurzelt. 

Das Tolle daran ist: Je zufriedener man ist, desto mehr Momente der Freude und des Glücks erlebt man. 

Ist der Boden gesund, kann ein Lichtermeer entstehen. 

Wie kann man das nun praktisch umsetzen? Ändere deine Gedanken. Wenn es zum Beispiel das nächste Mal regnet, denk an Karl Valentin: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Gewohnheiten ändern

Eine Autobiografie in fünf Kapiteln – von Portia Nelson

Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. 

Ich falle hinein. Ich bin verloren. Ich bin ohne Hoffnung. 

Es ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos, wieder herauszukommen. 

 

Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. 

Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. 

Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen. 

 

Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. 

Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein. Aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. 

Es ist meine Schuld. Ich komme sofort heraus. 

 

Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. 

Ich gehe darum herum. 

 

Ich gehe eine andere Straße. 

Alles ist eins

Change the way you see things and the things you see will change.“ – Wayne Dyer

Die grundlegende Lehre des Taoismus besagt, dass es eine natürliche, alles umfassende Balance gibt. Ob es eine höhere Macht gibt, die unsere wunderbare Welt hat entstehen lassen, oder nicht, ist völlig egal. Alle Dinge, Lebewesen und Organismen sind in sich in ihrem eigenen einfachen Sein in Balance sowie in ihren Beziehungen untereinander. Je mehr wir entgegen dieser natürlichen Balance agieren, desto weiter entfernen wir uns von dem Zustand, in dem alles einfach geschieht, weil es eben so ist, wie es ist.  

Auch der Mensch, jeder und jede einzelne von uns, ist Teil dieser natürlichen Balance. Doch der Mensch ist sehr leicht von dieser Balance abzulenken, weil wir ein Bewusstsein haben, einen Verstand und der Verstand kann getäuscht und konditioniert werden. Als Kleinkinder ist uns unsere Energie innerhalb der Balance bewusst. Wir sind einfach. Dann lernen wir von unseren Eltern, was man alles sollte und nicht sollte, wir kommen in die Schule, wir fügen uns in eine Gesellschaft ein, die selbst ein Konstrukt des menschlichen Verstandes ist. Wir übernehmen die Werte und Normen unseres Kulturkreises und halten diese für die Wahrheit.

Und irgendwann verstehen wir uns selbst nicht mehr.

Wenn wir wieder lernen, unserer eigenen inneren Balance zu folgen und darauf vertrauen, dass mit dieser Balance auch die Welt um uns herum im Einklang ist, dann können wir unsere Potenziale und Stärken viel besser nutzen. Wir können unsere eigenen kleine Welt besser machen und dadurch das große Ganze heilen.

Für alle, die das Thema weiterführend interessiert, habe ich hier zwei Buchempfehlungen: 

1. The Tao of Pooh – Benjamin Hoff. Der Taoismus sehr einfach und nachvollziehbar erklärt am Beispiel von Winnie the Pooh. 

2. The Serengeti Rules – Sean B. Carroll. Für alle, die die Philosophie mit wissenschaftlichen Fakten belegt haben wollen. 

Alles ist eins. 

Die Lücke

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“ – Astrid Lindgren

Du musst gefüllt werden, rief man ihr zu, aber die Lücke schüttelte den Kopf. 

Zuerst kam die Angst. 

Sie mahnte, dass man hindurch fallen und sich für immer verlieren könnte. 

Diese Lücke, sagte, sie, müssen wir schnellstens schließen, und schlug Einsatz vor. 

Aber die Lücke schüttelte den Kopf. 

Als nächstes kam der Pragmatismus. 

Er fand, dass man jede freie Stelle nutzen sollte, z.B. um ein Hobby zu beginnen. 

Bienenzüchten lege gerade im Trend. 

Aber die Lücke schüttelte den Kopf. 

Zuletzt kam die Vollkommenheit. 

Ihr Antlitz war einschüchternd schön. 

Sie mochte es gar nicht, wenn irgendwo etwas fehlte. 

Aber die Lüche stellte sich ihr in den Weg und sagte: 

Ich bleibe! Ich bin da, damit das Glück hindurch schlüpfen kann. 

Und so hielt die Lücke allen Versuchungen tapfer stand. 

Und das Glück fand seinen Weg. 

– Susanne Niemeyer 

Der Baum

Glaube an die Kraft der Bäume und du wirst ihre Stärke fühlen können.“ – Rita Keller

Ich stehe auf einem Feldweg. Um mich herum erstrecken sich Getreidefelder, die Sonne scheint, der Himmel ist blau und wolkenlos, die Ähren wiegen sich im leichten Wind. Ein paar Wildgänse fliegen in der Ferne vorbei. Es ist friedlich.

Ich wende mich nach links. Der Feldweg ist gesäumt von Wildblumen in den buntesten Farben. Mitten in einem der Felder steht ein großer Baum und ich bahne mir einen Weg durch das Getreide, um zu ihm zu gelangen. Das Getreide wächst hoch und ich verliere den Baum kurz aus dem Blick. 

Als ich schließlich ankomme und unter dem Baum stehe, ist es kühl. Das Blätterdach schirmt die Hitze der Sonne ab, rundherum wächst saftiges, grünes Gras. Durch die Blätter glitzert die Sonne, ich trete näher und lege meine Hände an den Stamm. Der Baum steht fest und sicher, rau ist die Rinde unter meinen Händen. Ich spüre die Kraft, höre das leichte Rascheln der Blätter. 

Ich frage den Baum, ob ihm etwas fehlt, ob er gerne woanders stehen würde, zusammen mit anderen Bäumen, anstatt hier alleine in einem Getreidefeld. „Manchmal fühle ich mich einsam.“, sagt der Baum. „Aber ich stehe hier genau richtig. Ich bin gut genährt und ich spende Schatten, wo sonst keiner ist.“ 

Ich lächle beruhigt und drehe mich um, um zu gehen. Da entdecke ich, dass ein Weg zum Baum führt. Der Zugang ist ganz leicht, ich hätte nicht durch das Feld gehen müssen. Nur ein paar Schritte weiter. Ein kleiner Umweg. 

Ich kann jederzeit wiederkommen. Der Baum ist immer da. 

Der Baum ist in mir. Der Baum bin ich. 

Flow-Momente

You often feel tired not because you’ve done too much but because you’ve done too little of what sparks a light in you.“ – Alexander den Heijer

Ich sitze im Zug zurück nach Berlin. Die beiden Vorstellungsgespräche, für die ich extra nach Frankfurt am Main gefahren bin, liefen an sich gut. In beiden Fällen wurde mir der Job direkt im Anschluss angeboten. Ich sollte mich freuen. Tue ich aber nicht. Meine Kehle fühlt sich zugeschnürt an und meine Gedanken fahren Achterbahn. Ich habe darum gebeten, eine Nacht darüber schlafen zu dürfen, doch ich weiß bereits, dass ich beide Angebote ablehnen werde. Was mir die Kehle zuschnürt ist das schlechte Gewissen, dass ich ein Angebot annehmen müsste. Ich bin schließlich Berufseinsteigerin ohne Joberfahrung, darf ich da überhaupt wählerisch sein? 

***

Ich nahm tatsächlich keines der Jobangebote an. Und anstatt weiter blind nach irgendwelchen Jobs zu suchen, begann ich zu überlegen, was mir wirklich Freude bereitete. Wann hatte ich in meinem bisherigen Leben Flow-Momente erlebt, in denen ich voller Energie und im Einklang war mit dem, was ich tat? Flow-Momente können nämlich auf ganz unterschiedliche Weise in Erscheinung treten. Ich habe dieses Gefühl manchmal beim Malen, ein Freund meinte, dass er das vom Puzzeln kenne und eine andere Freundin erzählte, dass sie beim Kochen völlig die Zeit vergesse. Wenn wir Flow-Momente erleben, befinden wir uns vollständig im aktuellen Augenblick, unser Fokus ist konzentriert auf eine Sache und unsere Sinne vollkommen darauf ausgerichtet. Wir sind versunken. 

Wenn wir Tätigkeiten nachgehen, die uns erfüllen, sind wir im Anschluss nicht ausgelaugt und müde. Stattdessen fühlen wir uns energiegeladen und erholt. Das trifft auf Freizeitaktivitäten genauso zu wie auf berufliche Aufgaben. Im Bezug auf meine Jobsuche fielen mir drei konkrete Situationen ein, die alle nicht unterschiedlicher hätten sein können und doch hatten sie eines gemeinsam: Ich hatte in diesen Situationen Menschen durch meine Fähigkeiten und mein Wissen unterstützt, auf ihrem eigenen Weg ein Stück weiter zu kommen. Ich erkannte außerdem, dass es mir leicht fällt, das große Ganze wahrzunehmen und ggf. den Fehler im System zu erkennen. Ich bin gut darin, Prozesse zu koordinieren und zu optimieren und Dinge umzusetzen. 

Fühlst du dich oft müde und ausgelaugt? 

Dann lade ich dich ein, zu überlegen, welche Dinge und Tätigkeiten dir leicht fallen und wann es Momente in deinem bisherigen Leben gab, nach denen du voller Energie warst.

Was hatten diese Momente gemeinsam? Was war der Spark

Und dann übertrage den Spark und suche dir nach und nach mehr Dinge, um sie in deinen Alltag zu integrieren.  

Den Einstieg finden

„Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt.“ – Laotse 

Nachdem mein Rucksack mich einige Jahre treu im Alltag begleitet hatte, musste vor ein paar Monaten ein neuer her. Plötzlich sah ich überall Menschen mit Rucksäcken. Eine Freundin, die lange Zeit versuchte schwanger zu werden, erzählte mir, dass gefühlt jede zweite Frau, der sie begegnete, einen Babybauch hatte. Beides sind Beispiele für selektive Wahrnehmung. Diese ist eine Stärke unseres Gehirns, denn sie hilft uns, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden und aus der Flut an Informationen und Reizen, die täglich auf uns einprasseln, das für uns in dem Moment Wesentliche herauszufiltern. 

Der Nachteil ist, dass auch Vorstellungen, Urteile und Muster, die einmal in unserem Gehirn verankert wurden, nicht hinterfragt werden. Doch um Veränderung anzustoßen ist genau das wichtig: hinterfragen und neu denken. 

Um diesen Prozess anzustoßen ist zunächst die innere Motivation notwendig, überhaupt etwas ändern zu wollen. In der Regel ist Unzufriedenheit eine gute innere Motivation. Das Problem: Veränderung bedeutet immer eine gewisse Kraftanstrengung, die es aufzubringen gilt. Auch bekannt als Schweinehund, an dem schon viele Veränderungsprozesse gescheitert sind. Die innere Motivation zur Veränderung muss also größer sein als die dafür erforderliche Kraftanstrengung. 

Das Feld der Persönlichkeitsentwicklung ist schier überwältigend. Die Entscheidung, sich mit diesem Thema überhaupt zu beschäftigen, ist der erste Schritt. Die Motivation dafür bzw. die Unzufriedenheit dahinter kann ganz unterschiedlich sein. Bei mir war es das Thema Beziehung, denn nach der Trennung von meinem ersten festen Freund hinterfragte ich das erste Mal bewusst, warum es mir eigentlich so verdammt schwerfiel, mich auf enge Bindungen einzulassen. Sobald mein Fokus auf dieses Thema fiel, tauchten plötzlich allerhand Inspirationen um mich herum auf. Auf Spotify stieß ich damals auf einen Podcast, von dem ich wiederum auf ein Single-Coaching aufmerksam wurde. Dort lernte ich, was Glaubenssätze sind, was mich wiederum zu Büchern über das innere Kind führte. Und so setzte ich einen Schritt vor den anderen. 

Du musst nicht sofort deinen Job kündigen, drei Mal die Woche ins Fitnessstudio gehen oder jeden Tag 15 Minuten meditieren. Der Fehler, warum der Schweinehund bei Veränderungsprozessen oft größer als die innere Motivation ist, zu groß einzusteigen. 

Fange klein an. Lass den Kieselstein Wellen schlagen. Gehe den ersten Schritt. 

Einfach zufrieden sein

„Glücklich und zufrieden ist, wer weiß, was er nicht braucht.“ – Wolfang Herbst 

Zufrieden sein definiert der Duden als „sich mit dem Gegebenen, den gegebenen Umständen, Verhältnissen in Einklang befindend und daher innerlich ausgeglichen und keine Veränderung der Umstände wünschend“. Die Wurzel des Wortes findet sich im Wort Frieden, also in Harmonie und ungestörter Ordnung. 

Ich will einfach nur zufrieden sein. Jahrelang kreiste dieser Gedanke, dieser Wunsch, in meinem Kopf, insbesondere in Phasen, in denen ich mich ausgebrannt fühlte. Doch können oder dürfen wir überhaupt zufrieden sein in einer Gesellschaft, die geprägt ist von Schnelllebigkeit und Leistungserwartungen? 

Oft wurde mir gesagt, Zufriedenheit sei Stillstand, denn wer zufrieden ist, der habe keine Ziele mehr, keine Träume oder Wünsche. Doch das stimmt nicht. Zufriedenheit ist kein Endzustand oder Resignation. Es ist die bewusste Entscheidung, sich nicht von der Differenz zwischen einem erwarteten oder erhofften und einem tatsächlichen Zustand irritieren zu lassen. Denn das ist die Definition von Unzufriedenheit. Stattdessen entscheidet man sich dafür, Frieden zu schließen mit dem, was oder wie etwas oder wer man gerade nun mal ist. Aus diesem Zustand der Zufriedenheit heraus fällt es leichter, Veränderungen vorzunehmen und neues auszuprobieren, weil die Basis stabil ist. 

Wer ständig nach mehr strebt, immer schneller, weiter und höher will, wird keine Zufriedenheit finden. Auch ich habe inzwischen erkannt, dass weniger oftmals mehr ist. Zufriedenheit ist Genügsamkeit. Zufriedenheit ist Einfachheit.