Das innere Kind

Das Unbekannte wird nicht bequemer, indem man davor wegläuft. Das Unbekannte wird bequemer, indem man sich mit ihm bekannt macht.“ – Lena Lamberti

Verhaltensweisen und -muster sind bei jedem Menschen unterschiedlich und äußern sich auf verschiedene Weise. Warum wir uns auf eine bestimmte Art verhalten oder reagieren unterscheidet sich allerdings weniger stark, weil die Grundbedürfnisse von uns Menschen von der Evolution fest biologisch in uns verankert sind.

Eines dieser biologisch verankerten Grundbedürfnisse ist beispielsweise das Bedürfnis nach Bindung. In den ersten Lebensjahren ist ein Kind völlig von seinen engsten Bezugspersonen abhängig. Basierend auf den Bindungen zu diesen Bezugspersonen baut das limbische System in unserem Unterbewusstsein die ersten Bindungsmuster für den weiteren Lebensweg auf. In der Regel finden sich also die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen im Erwachsenenalter in der Kindheit. Oft sind diese Ursachen traumatische Erlebnisse, zum Beispiel durch Scheidung der Eltern oder Misshandlung. Mindestens genauso oft sind es jedoch auch weniger schlimme Erfahrungen, die unser kindliches Gehirn als emotionale Verletzung oder Bedrohung eingestuft und abgespeichert hat. Diese tief verwurzelten Gefühle und Grundannahmen, auf denen nachfolgende Erlebnisse und Erfahrungen wahrgenommen und vom Unterbewusstsein analysiert werden, nennt man in der Psychologie Glaubenssätze.

Da diese Glaubenssätze wie beschrieben meist in der Kindheit wurzeln, führt in der Auflösung von Verhaltensmustern im Grunde kein Weg an der Arbeit mit dem inneren Kind vorbei. Dieses Kind personifiziert unsere Glaubenssätze bzw. unser Unterbewusstsein und es ist wichtig, ihm Gehör zu schenken, es zu trösten und zu beruhigen. Denn, wie erwähnt, Reaktionen im Erwachsenenalter, die uns völlig überzogen und unlogisch erscheinen, sind in der Regel Reaktionen auf Erfahrungen aus der Vergangenheit, die das Unterbewusstsein auf die Gegenwart projiziert.

Mit dem inneren Kind in Kontakt zu treten ist gar nicht so leicht. Ich persönlich bin eher durch Zufall darauf gekommen bevor ich mich mit der psychologischen Theorie dahinter beschäftigte. Als ich anfing mich intensiver mit mir auseinander zu setzen und über Kindheitserinnerungen nachzudenken, fiel mir irgendwann auf, dass ich in diesen Überlegungen oft mein altes Kinderzimmer vor Augen hatte.

Das Unterbewusstsein spricht in Bildern zu uns. Und so merkwürdig es klingen mag, aber als ich eines Abends im April 2020 auf dem Sofa saß und grübelte, entschied ich mich, in das Zimmer einzutreten.

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