Den Einstieg finden

„Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt.“ – Laotse 

Nachdem mein Rucksack mich einige Jahre treu im Alltag begleitet hatte, musste vor ein paar Monaten ein neuer her. Plötzlich sah ich überall Menschen mit Rucksäcken. Eine Freundin, die lange Zeit versuchte schwanger zu werden, erzählte mir, dass gefühlt jede zweite Frau, der sie begegnete, einen Babybauch hatte. Beides sind Beispiele für selektive Wahrnehmung. Diese ist eine Stärke unseres Gehirns, denn sie hilft uns, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden und aus der Flut an Informationen und Reizen, die täglich auf uns einprasseln, das für uns in dem Moment Wesentliche herauszufiltern. 

Der Nachteil ist, dass auch Vorstellungen, Urteile und Muster, die einmal in unserem Gehirn verankert wurden, nicht hinterfragt werden. Doch um Veränderung anzustoßen ist genau das wichtig: hinterfragen und neu denken. 

Um diesen Prozess anzustoßen ist zunächst die innere Motivation notwendig, überhaupt etwas ändern zu wollen. In der Regel ist Unzufriedenheit eine gute innere Motivation. Das Problem: Veränderung bedeutet immer eine gewisse Kraftanstrengung, die es aufzubringen gilt. Auch bekannt als Schweinehund, an dem schon viele Veränderungsprozesse gescheitert sind. Die innere Motivation zur Veränderung muss also größer sein als die dafür erforderliche Kraftanstrengung. 

Das Feld der Persönlichkeitsentwicklung ist schier überwältigend. Die Entscheidung, sich mit diesem Thema überhaupt zu beschäftigen, ist der erste Schritt. Die Motivation dafür bzw. die Unzufriedenheit dahinter kann ganz unterschiedlich sein. Bei mir war es das Thema Beziehung, denn nach der Trennung von meinem ersten festen Freund hinterfragte ich das erste Mal bewusst, warum es mir eigentlich so verdammt schwerfiel, mich auf enge Bindungen einzulassen. Sobald mein Fokus auf dieses Thema fiel, tauchten plötzlich allerhand Inspirationen um mich herum auf. Auf Spotify stieß ich damals auf einen Podcast, von dem ich wiederum auf ein Single-Coaching aufmerksam wurde. Dort lernte ich, was Glaubenssätze sind, was mich wiederum zu Büchern über das innere Kind führte. Und so setzte ich einen Schritt vor den anderen. 

Du musst nicht sofort deinen Job kündigen, drei Mal die Woche ins Fitnessstudio gehen oder jeden Tag 15 Minuten meditieren. Der Fehler, warum der Schweinehund bei Veränderungsprozessen oft größer als die innere Motivation ist, zu groß einzusteigen. 

Fange klein an. Lass den Kieselstein Wellen schlagen. Gehe den ersten Schritt. 

One thought on “Den Einstieg finden

  1. Iryna says:

    Sehr weise Worte. Das was du schreibst zeigt, dass du es nirgendwo abgeschrieben hast, sondern aus deiner Tiefe geholt hast. Und das kommt an :). Vielen Dank

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