Der Baum

Glaube an die Kraft der Bäume und du wirst ihre Stärke fühlen können.“ – Rita Keller

Ich stehe auf einem Feldweg. Um mich herum erstrecken sich Getreidefelder, die Sonne scheint, der Himmel ist blau und wolkenlos, die Ähren wiegen sich im leichten Wind. Ein paar Wildgänse fliegen in der Ferne vorbei. Es ist friedlich.

Ich wende mich nach links. Der Feldweg ist gesäumt von Wildblumen in den buntesten Farben. Mitten in einem der Felder steht ein großer Baum und ich bahne mir einen Weg durch das Getreide, um zu ihm zu gelangen. Das Getreide wächst hoch und ich verliere den Baum kurz aus dem Blick. 

Als ich schließlich ankomme und unter dem Baum stehe, ist es kühl. Das Blätterdach schirmt die Hitze der Sonne ab, rundherum wächst saftiges, grünes Gras. Durch die Blätter glitzert die Sonne, ich trete näher und lege meine Hände an den Stamm. Der Baum steht fest und sicher, rau ist die Rinde unter meinen Händen. Ich spüre die Kraft, höre das leichte Rascheln der Blätter. 

Ich frage den Baum, ob ihm etwas fehlt, ob er gerne woanders stehen würde, zusammen mit anderen Bäumen, anstatt hier alleine in einem Getreidefeld. „Manchmal fühle ich mich einsam.“, sagt der Baum. „Aber ich stehe hier genau richtig. Ich bin gut genährt und ich spende Schatten, wo sonst keiner ist.“ 

Ich lächle beruhigt und drehe mich um, um zu gehen. Da entdecke ich, dass ein Weg zum Baum führt. Der Zugang ist ganz leicht, ich hätte nicht durch das Feld gehen müssen. Nur ein paar Schritte weiter. Ein kleiner Umweg. 

Ich kann jederzeit wiederkommen. Der Baum ist immer da. 

Der Baum ist in mir. Der Baum bin ich. 

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