Gefühle wollen gefühlt werden

„Es ruckelt immer ein wenig, wenn das Leben in den nächsten Gang schaltet.“ – Unbekannt

In den letzten Jahren habe ich gelernt, wie es sich anfühlt, wenn sich negative Emotionen aufstauen. Wenn ich sie nicht zulasse, ihnen nicht die Tür öffne, um sie zu fühlen. Nach meinem Fahrradunfall fand ich Kraft in dem Glauben daran, dass alles, was im Leben passiert, einen Grund hat, dass ich etwas lernen soll, auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, was das vielleicht sein wird. Dieser Glaube hat mir seither in vielen Situationen geholfen, durchzuhalten und zu wachsen. 

Die Kehrseite der Medaille war, dass ich negativen Gedanken und Emotionen keinen Raum ließ. Wenn mich etwas traurig machte oder verletzte, dann überlagerte ich die Sache mit dem, was ich daraus vielleicht an Lehren ziehen konnte. Ich wollte den Schmerz nicht fühlen. Ich hatte Angst davor, schwach zu sein, denn nach wie vor herrschte der Glaubenssatz in mir, dass ich mir Zuneigung und Liebe durch Leistung erarbeiten musste. 

Bevor ich mit meinem Ex-Freund zusammen kam, hatte ich ihm fast genau ein Jahr vorher einen Korb gegeben. In den darauffolgenden Monaten hatte ich immer wieder den Gedanken, einen Fehler gemacht zu haben. Eine wichtige Sache in meinem Leben verpasst und vergeigt zu haben. Aber ich ließ das nicht zu, es hatte wohl irgendeinen Grund gegeben, warum das so passiert war. Und ja, den hatte es tatsächlich gegeben. Ich sollte lernen, Gefühle zuzulassen. 

Ich war auf einem Open-Air Konzert mit ein paar Freunden, ich stand mitten in der Menge, umringt von Menschen und ohne Vorwarnung fingen die Tränen an zu rollen. Ich verließ das Konzert ohne mich zu verabschieden und rannte buchstäblich nach hause. Mit dem Schließen der Wohnungstür brach ich im Flur zusammen und weinte mir die Seele aus dem Leib. Und es tat weh. So weh. 

Doch danach fühlte ich mich besser. Eine neue Leichtigkeit durchströmte mich und ich verstand, dass Gefühle zum Fühlen da sind. Wenn ich ihnen die Tür vor der Nase zuhalte, dann gehen sie nicht weg. Sie bleiben dort stehen, sie wollen rein und fangen irgendwann an, gegen die Tür zu drücken. Sie wollen gefühlt werden – nicht gelebt werden! Das ist ein Unterschied. Aber wenn es dir schlecht geht, dann lass das Gefühl zu. Es geht dir schlecht und das ist okay. Suche auch nicht nach Gründen für das Gefühl, sondern fühle es einfach. 

„I thought I was supposed to be happy. I thought that happy was for feeling and that pain was for fixing and numbing and deflecting and hiding and ignoring. I thought that when life got hard, it was because I had gone wrong somewhere. I thought that pain was weakness and that I was supposed to suck it up. But […] to be alive is to be in a perpetual state of revolution. Whether I like it or not, pain is the fuel of revolution. Everthing I need, to become the woman I’m meant to be next, is inside my feelings of now. Life is alchemy, and emotions are the fire that turns me to gold.“ – Glennon Doyle 

Sei frei in deinen Emotionen. 

Feel it all. Be gold. Be free.

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